
Zeppelin-Weltfahrten
THE GÄLLERY, Staatsgalerie Stuttgart, 2026
Ihre populärste Verbreitungsform fand die Fotografie während der 1930er-Jahre in Sammelbildern, die Zigarettenpackungen beigegeben waren und für die es vorfabrizierte Sammelalben gab. Ausgangspunkt der Wandarbeit von Barbara Karsch-Chaïeb ist allerdings ein zweckentfremdetes »Umsatz- und Einkommenssteuerbuch«. In diesem wurden auf der Ausgaben-Seite rechts jeweils Bilder aus den Serien Zeppelin-Weltfahrten und Das Neue Reich von 1933 eingeklebt und auf der Einnahmen-Seite links die entsprechenden Bildinhalte handschriftlich verzeichnet. Während die Künstlerin die Seiten mit den Inhaltsangaben formatgetreu und vollständig reproduziert und in einem Rasterblock präsentiert, wählt sie von den Sammelbildern nur wenige aus, die sie dann vergrößert und in unregelmäßiger Anordnung an der Wand anbringt. So lenkt sie unsere Aufmerksamkeit nicht nur auf bestimmte Bildinhalte, sondern auch auf bedeutsame Leerstellen – und sensibilisiert uns auf diese Weise für die Verflechtungen von Industrieproduktion, Wissensvermittlung, Unterhaltung und politischer Propaganda.
Text: Bertram Kaschek, Kurator der Ausstellung.
In der Ausstellung UNORDNUNG, Fotosommer 2026.
Zeppelin-Weltfahrten, 2026
16 Pigmentdrucke je 30 x 40 cm und 30 x 45 cm,
25 Pigmentdrucke je 33 x 20 cm
Tintenstahlpigmentdruck auf Wandvlies,
Sammelalbum von 1938
Photo Credits: Barbara Karsch-Chaïeb (1-9, 12),
Mit Dank an den Fotosommer (10,11)
Bildrechte VG Bild-Kunst Bonn, Barbara Karsch-Chaïeb (1-9, 12)

