Das Olga-Areal: Geschichte und Transformation – vom Krankenhaus zum Wohnort.
10 Jahre sind inzwischen vergangen, seit das Olga-Areal mit seinem bekannten Olgahospital abgerissen wurde. Im Zeitraum von einem Jahr, von September 2015 bis September 2016, begleitete ich diesen Abbau-Prozess fotografisch und per Videofilm.
Abbruch und Demolierung von Bauwerken bedeutet meist Störung, Chaos und Auflösung über einen längeren Zeitraum hinweg. Mit der Abtragung und Beseitigung der Gebäude auf dem Olga-Areal ist ein Teil der Geschichte des bekannten Krankenhauses endgültig abgeschlossen.
Dokumentarische Fotografie belegt die kontinuierliche Veränderung des Abrisses. Durch regelmäßiges Aufsuchen des Ortes entwickelte sich eine gewisse Routine und Verbundenheit mit dem Platz, den Menschen, die dort arbeiteten, und dem Material, das nach und nach abgebaut, sortiert und abtransportiert wurde. Diese dokumentarischen Nachweise bildeten den Einstieg für zeitlich nachfolgende Entdeckungen und Empfindungen einer sich stetig weiter entwickelten Seh-Weise.
In einem weiteren Schritt sind Fotografien entstanden, die Details und Fragmente der Trümmer und Überreste der Baustelle zeigen, sie entziehen sich vollständig dem Kontext der Dokumentarfotografie. Zu sehen sind Reste von Material (Steine, Kabel, Metall, Holz, Pflanzen, Türen, Fenster und weitere), Graffiti, Wände, Bruchstücke von Mauern, außerdem Überbleibsel des ehemaligen Krankenhauses und Dinge der Abrissfirma. Unbeabsichtigt sind Kompositionen, entstanden, arrangiert durch Fahrzeuge wie Bagger und durch die Menschen, die dort tätig waren. Die fremdartigen Materialien bildeten ein eigenes Stillleben, das die Schönheit dieser ausgefallenen Installationen widerspiegelte. Chaos und Ordnung lagen dicht nebeneinander, senkrechte und waagrechte Linien und Kanten, sowie Oberflächen von Wänden, Türen, Containern und weiteren Details, hinterließen mit unaufgeräumten Resten von Material und mit zurückgelassenen Relikten zahlreiche Spuren, Linien und Zeichnungen. Ganz bewusst sind diese Situationen durch den Fokus der Kamera gesucht, wahrgenommen, heran gezoomt und aufgenommen worden.
Zunächst ist die Serie mit dem Titel Heimlich schön entstanden. Weitere Serien folgten: Mensch und Arbeit, sie zeigt die Arbeiter, die den Abbruch vorgenommen haben. Reliquia ist die Serie, die entkernte, leere Gebäude-Skelette und Ruinen zeigt. VerschwindenErscheinenVerschwinden zeigt die Räume im Inneren des Krankenhauses beim letzten möglichen Besuch, sowie die Malereien und Zeichnungen der Kinder an den Wänden. Die Serie Wildwuchs und die Serie Wasser entstanden am Ende des Abrisses, als fast alle Gebäude verschwunden waren.
Das Foto oben ist am 12. März 2016 entstanden.
Photo Credits: Barbara Karsch-Chaïeb
Bildrechte VG-Bildkunst Bonn




