Contemporary Art, zeitgenössische Kunst Barbara Karsch

Die Ausstellung Land fern der Heimat ist ab dem 8. April 2021 im Museum Zehntscheuer in Balingen zu sehen. Vivien Sigmund, Kunsthistorikerin aus Stuttgart über die Arbeit Die Vergessenen, die Unbekannten die in der Ausstellung gezeigt wird: „Die Photographie ruft nicht die Vergangenheit ins Gedächtnis zurück. Die Wirkung, die sie auf mich ausübt, besteht nicht in der Wiederherstellung des (durch Zeit, durch Entfernung) Aufgehobenen, sondern in der Beglaubigung, dass das, was ich sehe, tatsächlich dagewesen ist.“ Zu dieser Sentenz von Roland Barthes über die Wechselwirkung zwischen Fotografie und Erinnerung haben die Werkgruppen von beiden Künstlerinnen in wirkmächtiger visueller Eloquenz so einiges zu sagen. Barbara Karsch-Chaieb zeigt uns hier einige historische Fotografien, Abbilder von gelebten Leben, die in unserem Gedächtnis nie einen Platz inne hatten. Eine Gruppe Menschen, beim Kauf von Tickets, drei Kinder in Sonntagskleidung aus dem vorvergangenen Jahrhundert, von denen eine vielleicht, wahrscheinlich die Urgroßmutter der Künstlerin ist, aber man kann es nicht wissen, und eine junge Frau in Mantel, Kleid und Hut, die sanft zu lächeln scheint. Es sind „Die Vergessenen, die Unbekannten“, so der Titel der Arbeit, deren namenlose Porträts im Archiv des Zeppelin-Museums und in privaten Fotoalben überdauerten. Der Text, der sich auf der Rückseite eines der Fotos befindet, die „Grüße aus dem Zentralpark“ verdeutlicht die Sehnsucht, die sich mit diesen Fotografien verbindet: Vergissmeinnicht. Das Licht blinkt wie ein lebendiger Herzschlag, aber die Gesichter sind beinahe geisterhaft transzendent durch den Transformationsprozess der künstlerischen Materialbearbeitung. Das Leben, so scheint es, überdauert auch in Fotografien nicht, aber seine flüchtige Konsistenz erhält zumindest ein Gesicht.
Photo Credits: Ulrike Reichart

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